Kehrtwende — Ein Radabenteuer in den Hohen Atlas und wieder zurück
Die Idee entstand aus dem Funken des berühmt-berüchtigten Atlas Mountain Race – Ultracycling vom Feinsten in einer Landschaft, die zugleich wild, rau und unwirklich schön ist. Auch ich wollte dieses Panorama erleben, ganz für mich allein, ohne Wettkampfdruck, ohne Uhr im Nacken. Einfach unterwegs sein.
Am 27. August 2021 rollte ich in Leipzig los. An meiner Seite zu Beginn mein treuer Freund Daniel, der mich bis zur französischen Grenze begleitete, bevor ich in die Stille der Soloreise eintauchte.
Von dort an war ich auf mich gestellt – und brannte vor Neugier auf all die Begegnungen, Erlebnisse und Gedanken, die sich entlang der Strecke entfalten würden.
Ich kam gut voran, fuhr täglich mindestens 100 Kilometer und war erfüllt von einer überströmenden Dankbarkeit für dieses Leben und das Privileg des Unterwegsseins. Ein gesegnetes Privileg, wie ich es gern nenne. Frankreich rollte leicht dahin, und in den Pyrenäen lösten sich meine Emotionen: so viele Tränen, Regen und Ergriffenheit vermischten sich, als würde das Gebirge mich einmal gründlich durchspülen.
Nachdem ich die Berge hinter mir gelassen hatte, öffnete sich das heiße, karge Spanien. Kilometer um Kilometer fräste ich mich durch diese Landschaft, bis ich schließlich den südlichsten Zipfel erreichte – bereit, mit der Fähre hinüber auf den afrikanischen Kontinent zu setzen.
Und tatsächlich: Die Überfahrt gelang. Ich kam bis Ceuta, diesem kleinen Stadtstaat vis-à-vis von Gibraltar. Von dort aus wollte ich nach Marokko weiterfahren, doch die Pandemie stellte sich mir in den Weg. Die Grenzen waren geschlossen – der Traum wurde vorerst vertagt.
Mein Tourname wurde damit zur Realität: Die Kehrtwende musste früher kommen als gedacht.
Also drehte ich um, folgte der spanischen Ostküste, streifte Barcelona und rollte zurück nach Frankreich – mein geliebtes Frankreich, das mich jedes Mal aufs Neue verzaubert. Danach ging es weiter nach Basel, noch ein Abstecher durch die Vogesen, und schließlich der lange, lange Weg durch Deutschland. Nüchtern, befremdlich, fast fremd.
Ankommen fällt mir immer schwerer als Aufbrechen.
Und so kreisten meine Gedanken auf den letzten Kilometern bereits um neue Routen, neue Abenteuer. Vielleicht einmal etwas Kompetitives? Ein Rennen wagen? Neue Wege einschlagen? Wer weiß, wohin die nächste Wende führt.
Doch zuerst lohnt sich ein Blick auf die genaue Strecke der Kehrtwende. Folgt dem Link, lasst euch inspirieren – und genießt die Bilder dieser Reise, die Wende und Weiterfahrt zugleich war.